ausgesperrt

Ausgesperrt (eine Kurzgeschichte)

Eine Hundeliebe, die auch uns Menschen passieren kann

Ein älterer Hund, nennen wir Ihn Tim, der schon bei einigen Menschen in seinem Leben gelebt hat, seine Jungen aufgezogen und Ihnen gelernt hat wie Sie überleben können, streunt durch das Land. Noch fühlt er sich stark und jung genug um sich ein neues Zu Hause zu suchen …. Er macht das nicht leichtfertig, weil er endlich sein wirkliches Zu Hause finden möchte. Bevor er wieder etwas Halbes findet, sucht er lieber weiter. „ich bleibe nur mehr dort, wo ich für immer sein will“ sagt sich Tim!

Eines Tages kommt er zu einem Bauernhof, ein freundliches Gebäude mit Blumen auf den Fensterbänken, einem kleinen Stall mit ein paar Tieren und er beobachtet diesen Hof. Irgendwie hat er so ein warmes Gefühl im Herz, wenn er sich ihm nähert.

Auf dem Hof lebt auch eine Frau. Nennen wir sie Anna. Anna scheint sehr nett zu sein, sie gießt täglich die Blumen, kümmert sich um die Tiere und es kommen manchmal Menschen die sie immer mit einem Lächeln empfängt. Ein sehr lieber Mensch, dem sich Tim gerne einmal „vorstellen“ möchte.

So schnuppert sich Tim einmal zum Hoftor und Anna bemerkt Ihn. Sie kommt zu ihm und fragt Ihn „Ja wer bist denn Du?“ und streicht ihm etwas zögerlich, fast ängstlich über den Kopf. Leider sprechen die beiden nicht dieselbe Sprache, weshalb Tim nur erahnen kann, was sie meint und Ihr auch nur damit antworten kann, dass er sich an sie schmiegt. Anna lächelt und das macht Tim ein sehr wohliges Gefühl. Er beschließt in der Nähe des Hofes zu bleiben.

Einige Tage später spaziert Anna aus dem Tor und Tim läuft zu Ihr. Sie gehen eine Runde miteinander spazieren und Anna erzählt ein wenig von sich. Wie gesagt kann Tim nur aus dem Klang Ihrer Stimme erahnen, dass Sie eine sehr, sehr liebe und warmherzige Frau ist. In Wahrheit erzählt Anna ihm, dass Sie sich schon einen Begleiter wie Tim wünscht, aber ein wenig Respekt vor Rüden hat und dass sie glaubt die Verantwortung die dadurch entsteht, wenn Sie einen Partner annimmt, nicht übernehmen zu können. Sie streichelt Tim als sie wieder beim Hof angelangt sind, aber schickt Ihn weg.

Tim ist enttäuscht und versucht weiter zu laufen, egal in welche Richtung. Doch Anna und Ihr Hof gehen ihm nicht mehr aus dem Kopf. So wandert er wieder zu dem Hof und legt sich unter eine große Linde in Sichtweite von dem großen grünen Tor und wartet. Er wartet Tag um Tag bis Anna aus dem Tor kommt und Tim sofort aufgeregt auf springt und schwanzwedelnd auf Sie zu läuft. „Na Du“ sagt Anna, „Du bist ja wieder da“. „Komm gehen wir noch eine Runde gemeinsam.“ Und sie spazieren wieder gemeinsam durch die Felder, Anne erzählt ein wenig ist aber auch oft ganz still.  

Am Hof angekommen, sagt Anna zu Tim, dass er ja einmal mit hinein kommen kann und man werde sehen wie sich das entwickelt.

Und es entwickelt sich prächtig. Tim darf am Hof bleiben und Anna verbringt auch viel Zeit mit Tim. Die beiden sind ein wirklich tolles Team und es macht auch beiden sehr viel Freude gemeinsam etwas zu unternehmen, ja manchmal darf Tim sogar ins Haus und bei Anna schlafen. Er hat das Gefühl nun endlich genau dort zu sein, wo er immer sein wollte. Er war nach langem Wandern endlich angekommen. Anna bemüht sich ebenso wie Tim, immer wieder gemeinsame Zeit zu finden. Wenn es nach Tim gehen würde, dann wären Sie wohl ständig zusammen, aber Anna hatte das Gefühl, dass Tim Ihr auch Zeit stiehlt, die sie gerne mit Anderen und Anderem verbringen würde. So schwer das Tim auch fällt, er nimmt sich zurück und genießt die Zeit, die Anna eben für sie beide vorgesehen hat. Da Anna Ihn auch weiter auf dem Hof belässt hat Tim das Gefühl eben dorthin zu gehören. Er ist dabei wenn Freunde kommen und alle mögen Ihn. Auch Annas Familie kommt gerne und nimmt Tim liebevoll auf.

So geht das 4 Jahre lang. Manchmal sagt Anna zu Tim: “ob ich Dir das Zuhause geben kann, dass Du Dir wünschst und das Du Braver lieber Tim auch verdienst?“ Doch Tim kann sie nur beruhigen indem er sich an Sie schmiegt und ihr versucht zu sagen “Ja, Ich bin zu Hause und sehr glücklich“.

Dann nach mehr als 4 glücklichen Jahren, an einem trüben Morgen, Tim wollte gerade zu seinem Frühstückfressnapf gehen, steht Anna dort, nimmt Ihn an seinem Halsband und sagt:“ Mein lieber Tim, Du bist ein prächtiger Hund und ein toller Begleiter, aber ich kann Dich nicht mehr bei mir behalten. Mein Herz ist so voll, dass es nicht genug Platz für Dich darin gibt und ich möchte Dir nicht vorgaukeln, dass Du mein Partner bist, wenn ich lieber ohne Dich wäre“. Tim versteht kein Wort, er schmiegt sich an Annas Beine, aber sie schiebt ihn weg. „Nein Tim, unsere gemeinsame Zeit ist vorbei. Ich will Dich nicht mehr in meinem Leben haben. Vielleicht gehen wir manchmal noch eine Runde gemeinsam spazieren, aber leben musst Du wo anders und Du musst Dir einen anderen Menschen suchen für den Du da bist und der Dich aufnimmt“. Tim jault und bellt! „Nein Tim, ich bin nicht mehr Dein Zu Hause! Geh!“. Und Anna führt Tim am Halsband aus dem Tor, nimmt Ihm dort das Halsband ab und schließt die Türe hinter sich.

Tim ist komplett verstört. Was ist da eben passiert? Warum sperrt man ihn aus Seinem Paradies aus? Was hat er getan? Er setzt sich unter die Linde und wartet, ob es sich Anna vielleicht doch überlegt. Nach Tagen kommt sie aus dem Tor und Tim läuft freudig auf Sie zu. „Tim, Du bist immer noch da? Ich habe Dir doch gesagt es ist kein Platz für Dich in meinem Leben!“ Tim lässt sich so einfach nicht wegschicken und begleitet Anna einfach bei Ihrem Spaziergang, mit Abstand aber doch so, dass er Sie und Sie ihn immer sehen kann.

Wieder am Hof angekommen, sagt Anna: “Lieber Tim, Du bist ein toller Hund, aber ich glaube nicht MEIN Hund. Auch, und das habe ich Dir ganz zu Beginn unserer Bekanntschaft schon gesagt, weiß ich gar nicht ob ich einen eigenen Hund haben möchte!“ „Geh weg, suche Dein Glück wo anders, Du bist so ein lieber, Du wirst einen anderen Menschen finden“. Sie dreht sich um, schließt das Tor hinter sich und Tim steht davor, ohne zu wissen, wie es mit Ihm weiter gehen soll.

In den nächsten Wochen bleibt Tim unter der Linde und manchmal sieht er Anna wie sie spazieren geht. Er traut sich nicht mehr mitzugehen, weil er Angst hat sie würde ihn wieder wegschicken, ihn vielleicht sogar verjagen. Tim weiß auch nicht ob Anna manchmal zur Linde schaut, um zu sehen ob er noch da ist. Er sieht die Freunde kommen und Annas Familie, er hört Sie reden und lachen. So gerne würde er jetzt mit Ihnen sein, neben Ihnen sitzen, Ihre Nähe und Zuneigung genießen. Doch er darf nicht und hat auch kaum mehr Kraft sich dagegen zu wehren.

Da ist doch sein Zuhause! Er weiß auch gar nicht wo er sonst sein sollte. Hier gehört er hin und die letzten 4 Jahre wusste er auch, dass er hier glücklich alt werden will, bis er in den Hundehimmel gehen muss. Doch jetzt weiß er gar nichts mehr. Er versucht sich im Umfeld umzusehen ob er irgendwo bei lieben Menschen unterkommen kann. Er wird auch manchmal gestreichelt und viele die Ihn von den Spaziergängen mit Anna kennen, begrüßen ihn und fragen ihn wie es ihm geht.

Er begegnet seinen Söhnen, die ihn fragen wieso er so dürr aussieht und sagen, dass sie sich um ihn Sorgen machen. Tim sagt allen, dass es ihm zwar nicht gut geht, aber er immer noch Hoffnung hat. Hoffnung die Ihn am Atmen hält, die Ihn immer wieder zu dem Hof und unter die Linde zieht. Hoffnung die er nicht aufgeben kann, weil er Anna so sehr liebt und es für Ihn keinen anderen Menschen gibt, bei dem er sich so zu Hause fühlt.

Oft erinnert er sich an seine Gedanken bevor er auf Anna getroffen ist: „ich bleibe nur mehr dort, wo ich für immer sein will“

Tim blieb unter der Linde, Tage, Wochen und Monate lang sieht er Anna von der Entfernung zu. So gerne hätte er gewusst, ob Sie auch manchmal an die gemeinsamen Spaziergänge, die Ausflüge, die gemeinsam verbrachte Zeit denkt und ihn vielleicht vermisst.

Er ist ziemlich alt und schwach geworden in diesen Monaten unter der Linde und er weiß auch nicht wie er die kalte Jahreszeit überstehen wird, aber er weiß auch nicht wohin er sonst gehen sollte. Immer noch lebt in ihm die Hoffnung, dass eines Tages die Hoftüre aufgeht und Anna herausruft „Tim, Tim, bist Du da? Komm bitte nach Hause, ich vermisse Dich!“

Eines Morgens, es ist schon Herbst geworden, kommt ein Spaziergänger an der Linde vorbei und sieht dort einen alten, ausgezehrten Hund liegen. Zuerst denkt er, er schläft und nähert sich nur vorsichtig, um Ihn nicht zu erschrecken, doch dann bemerkt er, dass der Hund nicht mehr atmet.

Der Spaziergänger fragt sich wem der Hund gehören könnte, da er aber kein Halsband hat, nimmt er an, dass der Hund herrenlos sein muss.

Er hat Mitleid und bettet Ihn in eine Mulde unter der Linde, bedeckt Ihn mit kleinen Ästen, Laub von der Linde, strohigem Gras und legt vorsichtig und sehr bedacht Steine darauf, damit keine anderen Tiere an den Körper des Hundes kommen können. Mit zwei Lindenzweigen legt er ein Kreuz auf den Steinhügel und versucht sich auszumalen wie das Leben dieses Hundes gewesen sein kann und warum es hier so alleine geendet hat.

Er macht sich gerade auf den Weg zu gehen, als das Tor eines nicht weit gelegenen Bauernhofes aufschlägt, eine Frau herausläuft und laut ruft:

„Tim! Tim! Bist Du da? Komm bitte nach Hause …….. Tim ich vermisse Dich!“


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